In Daiano ist der Arsch der Welt am schönsten

Es gibt einen legendären Satz von Mario Andretti. Der hat gesagt: „Wenn Du meinst, Du hast alles unter Kontrolle, dann bist Du einfach noch nicht schnell genug.“ Ein mehr als nachvollziehbarer Satz aus der Sicht eines Vollgas-Besessenen. Benzin-Weisheit auf ihrer höchsten Stufe.

Das gilt auch für die Scuderia Stelvio

Das gilt natürlich auch für die Scuderia Stelvio, die als bekennend Vespa-bekloppte Truppe Jahr für Jahr wieder in die Welt hinauszieht, die für uns in der Regel Italien heißt, um irgendwann im Juni oder Juli in Lederjacken und Moped-Jeans tagsüber das Wasser auszuschwitzen und die Schönheit der Kehren plus der dazugehörigen Landschaft aufzusaugen.

Die Ja-bist-du-deppert-Arena für Zweirad-Besessene

Wir waren natürlich auch schon mal in der Ecke, die rund um die Sella Weltruf hat. Als Unesco-Weltnaturerbe. Als Skigebiet vom Feinsten. Und als Ja-bist-du-deppert-Arena für alle, die das Motorradfahren lieben und über die alten Dinger mit ihren Zehn-Zoll-Rädchen schmunzeln. Haben wir ja schon besprochen, dass die Vespa einiges auf der Haben-Seite hat, wenn sie motormäßig nicht mehr viel mit dem zu tun hat, was Corradino D’Asciano vor genau 80 Jahren der Vespa zur Fortbewegung mit auf den Weg gegeben und was Enrico Piaggio millionenfach in die Welt gebracht hat. Sie ist leicht, sie ist wendig, sie hängt gut am Gas und wenn sie – bei dem einen oder anderen – erst einmal den Reso-Bereich erreicht hat, dann geht das nochmal doppelt ab.

Wer meint, alles schon gesehen zu haben, war noch nicht oft genug dort

Was das mit Mario Andretti zu tun hat? Es geht um den Place to drive. Wenn du meinst, du hast in Südtirol schon alles gesehen und abgegrast, dann warst du einfach noch nicht oft genug dort. So ist das nämlich. Wir haben uns Südtirol diesmal von dort aus angeschaut, wo der Arsch der Welt am schönsten ist – von Daiano aus. Gelegen im schönen Val di Fiemme, weit weg von Trubel und Terz. Aber genau richtig, um von dort aus Touren zu fahren, die schon mit einem Grinsen losgehen. Du muss auswärts immer über den Passo Lavazè, treibst dich dann ein bisschen im Eggental rum – rund um Deutschnofen. Um dann abzubiegen Richtung Sellaronda, die du stückweise fahren kannst, um die ganzen schönen Pässe mitzunehmen, die diese Ecke Südtirols vor dir ausrollt wie einen Kurventeppich.

Hoch zum Karersee

Du kurvst um den Latemar, wedelst Kehre um Kehre zum türkisgrünen Wasser-Edelstein, dem Karersee. Und du darfst auf keinen Fall den Nigerpass verpassen, der dich eigentlich dazu einlädt, stundenlang rauf und runter zu fahren, weil er einfach so traumtänzerisch schön zu fahren ist.

Einkehr an der Zapfsäule – wörtlich

Nach der Tour ist der Weg das Ziel zur Einkehr. Und genau an dem Punkt kommt das Benzin zum Gespräch wie sonst nirgends, weil wir eine nette Tankstellenbar mitten im Ort sozusagen direkt vor der Nase hatten, um zum Tanken ein kühles Forst zu schnappen, das wie zu verdunsten scheint nach 200 Tages-Kilometern und Hunderten von gefressenen Tornanten. Später duschst du dir vielleicht den Ölfilm der Falschmischer ab, aber die Erinnerung an das Gefahrene gräbt sich tief ein. Bis zum nächsten Jahr. Wenn wieder Südtirol rufen könnte. Schon alles abgegrast? Wir waren doch noch nicht oft genug dort…